AntifaAG Hoyerswerda 2009-05-04T21:42:31Z Copyright 2009 WordPress Administrator <![CDATA[RBB: Der Mob von Hoyerswerda]]> http://aaghoyerswerda.blogsport.de/2009/05/04/rbb-der-mob-von-hoyerswerda/ 2009-05-04T21:42:31Z 2009-05-04T21:42:31Z 1991 Entdeckt auf: Alternative Dresden News

Der Regionalsender “Rundfunk Berlin-Brandenburg” (RBB) veröffentlichte in der Schwerpunktreihe “60 Jahre Deutschland” auch eine Sendung über die Pogrome von 1991 in Hoyerswerda. Zwei Jahre nach dem Mauerfall entflammte offen der Ausländerhass und entlud sich auf Wohnheime Asylsuchender. Waltraud Spill die damals in der Kleinstadt lebte erinnert sich an den “Mob von Hoyerswerda”.

Annette Nolting: Als Erstes griff eine Gruppe Neonazis vietnamesische Straßenhändler an, die dann in ihr Wohnheim flüchteten, in dem auch Mosambikaner lebten. Dieses Gebäude wurde daraufhin das Ziel des Mobs. Wie haben Sie davon erfahren?

Waltraud Spill: Ich bin am zweiten Tag der Randale – ich hatte nichts davon gewusst – mit dem Auto vor das Wohnheim gefahren, um Briefe nach Mozambique mitzugeben, und da war der ganze Wohnkomplex in Aufruhr. Es waren Menschen auf der Straße, aus den Fenstern haben sie geschaut. Und als dann Rechte kamen und zu mir gesagt haben “Oma, hau ab!”, da bin ich dann erst mal zur Polizei gefahren. Dort sagte man mir, man wisse bereits Bescheid. Daraufhin bin ich wieder zurück gefahren, habe das Auto abgestellt und bin vor das Wohnheim gegangen und habe dann die ganzen Tage der Randale am Nachmittag nach meinem Feierabend mit erlebt.

Nolting: Wie war die Stimmung in Hoyerswerda in diesen Tagen? Können Sie uns das beschreiben?

Spill: Es war erst mal unvorstellbar. Diese aufgeheizte Stimmung gegen die Ausländer: Die Polizei sollte reingehen und die Mosambikaner und die Vietnamesen aus dem Fenster schmeißen. Es wurden ja auch Brandsätze geworfen und Fensterscheiben gingen kaputt. Dann kamen die Mosambikaner aus dem Haus mit einem Kofferradio und haben getanzt – das hat sich hinter mir abgespielt, und direkt vor mir war dieser schreiende Mob.

Nolting: Das eine war die Gewalt gegen die Ausländer und das andere war die offene Unterstützung durch Passanten, die quasi applaudiert haben, wenn man so will. Waren Sie darüber schockiert, dass quasi Nachbarn von Ihnen applaudiert haben?

Spill: Es hat sich zwar nicht um direkte Nachbarn von mir gehandelt, aber es waren Nachbarn des Hauses, in dem das Wohnheim war. Sie haben geschrien “Ausländer raus, ihr nehmt uns die Wohnung weg, ihr nehmt uns Arbeit weg.” Es gab aber auch Nachbarn, die mit Kartengrüße und Blumensträußen gekommen sind und sich entschuldigt haben für die anderen, die sich geschämt haben, dass so etwas passiert.

Nolting: Sie haben es schon ein paar Mal erwähnt, dass Sie damals Mosambikaner kannten in Hoyerswerda, dass Sie dort hingegangen sind und sich vor dieses Heim gestellt haben. Haben Sie darüber hinaus noch versucht, den Menschen dort zu helfen?

Spill: Ein Mosambikaner hat mich darum gebeten, sein Motorrad sicher zu stellen. Ich fuhr dann im Auto, er mit dem Motorrad hinterher, dann haben wir das Motorrad in unserer Garage untergestellt. Als ich ihn dann zurückbringen wollte – er lag auf dem Rücksitz des Autos –, sind wir nicht mehr in das Heim gekommen, die Polizei ließ keinen mehr in das Haus. Daraufhin habe ich Viktor mit nach Hause genommen und ihn bei uns übernachten lassen.

Nolting: Irgendwann, Tage nach dieser Eskalation in Hoyerswerda hat die sächsische Landesregierung damals alle Ausländer aus Hoyerswerda evakuiert. Nun könnte man sehr verkürzt sagen: Der Mob hat also gesiegt, die Staatsmacht versagt. Wie empfanden Sie das damals?

Spill: Für mich persönlich war das ganz schlimm. Ich erfuhr dann auch, dass Mosambikaner nicht zum Zeitpunkt der Abreise zum Flughafen gefahren wurden, sondern bei Nacht und Nebel. Einmal war ich anwesend, morgens um vier Uhr, und manche sind heimlich abtransportiert worden.

Nolting: Sie haben aber noch Kontakt gehalten – ist das richtig?

Spill: Bis heute. Während der Randale haben einige Mosambikaner gesagt: “Mutti, Du kommst uns doch besuchen?” Das war aber nicht möglich, weil in Mozambique noch Krieg war. Dieser Krieg war am 4. Oktober 1992 zu Ende, und an Weihnachten war ich in Mozambique. Das war zuerst privat, zwei oder drei Mal, danach habe ich 1995 einen Verein gegründet und wir haben dann eine Schule für 900 Kinder gebaut. Seit Juni vergangenen Jahres haben wir ein Gesundheitszentrum, das 10.000 Menschen im Umkreis versorgen kann.

Nolting: Sie haben sich unglaublich engagiert, sind dafür auch ausgezeichnet worden. Hoyerswerda war aber damals so etwas wie ein Fanal – das muss man leider sagen. Es folgten andere schwere Ausschreitungen gegen Ausländer, wie Rostock, Lichtenhagen. Wenn Sie heute zurückblicken, würden Sie dann sagen, die Gesellschaft hat Lehren aus diesen schrecklichen Ereignissen damals gezogen?

Spill: Nein. Leider nicht. Das Gros der Menschen ist nach wie vor sehr ausländerfeindlich – ich merke das immer wieder in Gesprächen. Ich bin oftmals entsetzt auch bei Menschen in meinem Alter.

Quelle: Inforadio RBB (29.04.09)

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Administrator <![CDATA[Flyeraktion gegen „Thor Steinar“ in Hoyerswerda]]> http://aaghoyerswerda.blogsport.de/2008/10/21/flyeraktion-gegen-thor-steinar-in-hoyerswerda/ 2008-10-21T16:45:02Z 2008-10-21T16:45:02Z Texte und Berichte Und dabei Nazistress an allen Ecken

Ein Wortwechsel:

A – FlyerverteilerIn; B – PassantInnen

A: Hi, ihr habt doch bestimmt auch was gegen Nazis?
B: Mh, nö also nein…
A: Aber denkt ihr wirklich, dass uns Ausländer die Arbeit wegnehmen?
B: Naja eigentlich schon…
A: Na wie hoch ist denn der Ausländeranteil in Hoyerswerda?
B (genervt): Puh, was weiss ich den…fünfzig Prozent oder so…
A: Na gut, wünsch euch noch nen schönen Tag…

Am 25. und 27. September verteilten Mitglieder der „Initiative Zivilcourage“ und der „Antifaschistische Aktionsgruppe Hoyerswerda“ (AAG) Flugblätter vor dem Lausitz-Center Hoyerswerda, die den Verkauf der Neonazimarke „Thor Steinar“ in dem dort ansässigen Geschäft „Blue Dreams“ thematisierten. Die Ladenkette Blue Dreams betreibt weitere Geschäfte in Kamenz, Bautzen und Radeberg, nach einer Meldung der Sächsischen Zeitung wollte sich der Inhaber des „Blue Dreams“ im vergangenen Sommer für die NPD in den Kreistag wählen lassen.

Die Flugblätter wurden an allen vier Seiteneingängen verteilt, bis der Center-Wachmann die AntifaschistInnen einige Meter wegschickte, da die Wege vor der Einkaufsmeile noch auf dem Grundstück des Centers gelegen seien.

Wenig später gab es erste Drohungen seitens eines stadtbekannten Hoyerswerdaer Neonazis gegen die VerteilerInnen der Infoflyer. Im Laufe des Nachmittags sammelten sich immer mehr Nazis vor dem Eingang zum Lausitz-Center am Lausitzer Platz. Einer der anwesenden Neonazis entwendete einem der AntifaschistInnen Comics der Opferhilfeorganisation „Amal“, eine weitere Person schlug aus dem Lausitz-Center kommend, einem der Flyer-VerteilerInnen ohne Vorwarnung ins Gesicht. Umstehende PassantInnen waren erschrocken von der Brutalität der Nazis, eingreifen oder sie zur Rede stellen wollte niemand.

Nachdem die Polizei gerufen wurde, setzten die Mitglieder der „AAG“ und der „Initiative Zivilcourage“ ihre Aktion an einem anderen Eingang des Centers fort. Die Probleme mit den anwesenden Neonazis waren damit jedoch nicht gelöst, ihre Gruppe wuchs auf 20 bis 25 Personen an, rein vom Äußerlichen war dabei vom HipHopper bis zum Technofan alles vertreten.

Bis die Polizei das zweite Mal eintraf, diesmal mit zwei Wagen und mehr Personal, wurde von Seiten der Neonazis Jüdinnen und Juden die Schuld am Zweiten Weltkrieg zugeschoben und der Holocaust geleugnet. Entsprechende Anzeigen wurden gestellt. Die Verteilaktion wurde vom Anmelder für beendet erklärt, um einer Auseinandersetzung mit den Nazis und der Polizei aus dem Weg zu gehen.

Am nächsten Tag kursierte in der Stadt ein Flugblatt der selbsternannten „Bürgerinitiative Sicherheit“, welches sich vorallem durch seine zahlreichen Diffamierungen, Lügen und Fehlinformationen bezüglich der Flyerverteilung am Tag zuvor auszeichnete, auch Fotos von Beteiligten der Verteilaktion wurden darauf veröffentlicht.

Am darauf folgenden Samstag verteilten überwiegend BürgerInnen der „Initiative Zivilcourage“ die Flyer gegen den Verkauf von „Thor Steinar“ im „Blue Dreams“, dies lief ohne Störungen. Die „Nationalen Sozialisten“ aus Hoyerswerda waren wahrscheinlich wieder einmal damit beschäftigt ihre Videos mit rechten Sprühereien in menschenleeren Industriegebieten ins Internet zu stellen.

Die Reaktionen der Einwohner Hoyerswerda variierten in weiten Teilen zwischen Unwissenheit und Betroffenheit. Allerdings sympathisierten auch jedeR fünfte bis sechste der Angesprochenen mit Neonazis oder rechtem Gedankengut.

Wir wollen uns mit diesen Zuständen in Hoyerswerda und auch anderswo nicht abfinden!

Wir fordern die Kette „Blue Dreams“ auf, die Nazimarke „Thor Steinar“ aus ihrem Sortiment zu nehmen!

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Artikel zur Aktion in der „Lausitzer Rundschau“

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Der verteilte Flyer

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