AntifaAG Hoyerswerda http://aaghoyerswerda.blogsport.de Tue, 12 Jul 2011 22:31:42 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en 20 Jahre Hoyerswerda – neue Initiative http://aaghoyerswerda.blogsport.de/2011/07/12/20-jahre-hoyerswerda-neue-initiative/ http://aaghoyerswerda.blogsport.de/2011/07/12/20-jahre-hoyerswerda-neue-initiative/#comments Tue, 12 Jul 2011 22:23:23 +0000 Administrator Aktuelles 1991 http://aaghoyerswerda.blogsport.de/2011/07/12/20-jahre-hoyerswerda-neue-initiative/ Zum 20. Jahrestag des rassistischen Pogroms vom September 1991 in Hoyerswerda hat sich eine neue Initiative gegründet. Die Initiative „Pogrom 91″ kritisiert die bisherige Auseinandersetzung in der Stadt Hoyerswerda mit den Geschehnissen vom September 1991 – sie hat nach Meinung der Gruppe nicht in ausreichendem Maße stattgefunden. Während die Stadt den Ereignissen vom September 1991 als „extremistische Ausschreitungen“ gedachte, wie es auf einer Stele anlässlich des 15. Jahrestages des Geschehens hieß, ist es das Ziel der neuen Initiative, dem die Einordnung als rassistisches Pogrom entgegenzusetzen.

Mehr Infos: http://pogrom91.tumblr.com

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RBB: Der Mob von Hoyerswerda http://aaghoyerswerda.blogsport.de/2009/05/04/rbb-der-mob-von-hoyerswerda/ http://aaghoyerswerda.blogsport.de/2009/05/04/rbb-der-mob-von-hoyerswerda/#comments Mon, 04 May 2009 21:42:31 +0000 Administrator 1991 http://aaghoyerswerda.blogsport.de/2009/05/04/rbb-der-mob-von-hoyerswerda/ Entdeckt auf: Alternative Dresden News

Der Regionalsender “Rundfunk Berlin-Brandenburg” (RBB) veröffentlichte in der Schwerpunktreihe “60 Jahre Deutschland” auch eine Sendung über die Pogrome von 1991 in Hoyerswerda. Zwei Jahre nach dem Mauerfall entflammte offen der Ausländerhass und entlud sich auf Wohnheime Asylsuchender. Waltraud Spill die damals in der Kleinstadt lebte erinnert sich an den “Mob von Hoyerswerda”.

Annette Nolting: Als Erstes griff eine Gruppe Neonazis vietnamesische Straßenhändler an, die dann in ihr Wohnheim flüchteten, in dem auch Mosambikaner lebten. Dieses Gebäude wurde daraufhin das Ziel des Mobs. Wie haben Sie davon erfahren?

Waltraud Spill: Ich bin am zweiten Tag der Randale – ich hatte nichts davon gewusst – mit dem Auto vor das Wohnheim gefahren, um Briefe nach Mozambique mitzugeben, und da war der ganze Wohnkomplex in Aufruhr. Es waren Menschen auf der Straße, aus den Fenstern haben sie geschaut. Und als dann Rechte kamen und zu mir gesagt haben “Oma, hau ab!”, da bin ich dann erst mal zur Polizei gefahren. Dort sagte man mir, man wisse bereits Bescheid. Daraufhin bin ich wieder zurück gefahren, habe das Auto abgestellt und bin vor das Wohnheim gegangen und habe dann die ganzen Tage der Randale am Nachmittag nach meinem Feierabend mit erlebt.

Nolting: Wie war die Stimmung in Hoyerswerda in diesen Tagen? Können Sie uns das beschreiben?

Spill: Es war erst mal unvorstellbar. Diese aufgeheizte Stimmung gegen die Ausländer: Die Polizei sollte reingehen und die Mosambikaner und die Vietnamesen aus dem Fenster schmeißen. Es wurden ja auch Brandsätze geworfen und Fensterscheiben gingen kaputt. Dann kamen die Mosambikaner aus dem Haus mit einem Kofferradio und haben getanzt – das hat sich hinter mir abgespielt, und direkt vor mir war dieser schreiende Mob.

Nolting: Das eine war die Gewalt gegen die Ausländer und das andere war die offene Unterstützung durch Passanten, die quasi applaudiert haben, wenn man so will. Waren Sie darüber schockiert, dass quasi Nachbarn von Ihnen applaudiert haben?

Spill: Es hat sich zwar nicht um direkte Nachbarn von mir gehandelt, aber es waren Nachbarn des Hauses, in dem das Wohnheim war. Sie haben geschrien “Ausländer raus, ihr nehmt uns die Wohnung weg, ihr nehmt uns Arbeit weg.” Es gab aber auch Nachbarn, die mit Kartengrüße und Blumensträußen gekommen sind und sich entschuldigt haben für die anderen, die sich geschämt haben, dass so etwas passiert.

Nolting: Sie haben es schon ein paar Mal erwähnt, dass Sie damals Mosambikaner kannten in Hoyerswerda, dass Sie dort hingegangen sind und sich vor dieses Heim gestellt haben. Haben Sie darüber hinaus noch versucht, den Menschen dort zu helfen?

Spill: Ein Mosambikaner hat mich darum gebeten, sein Motorrad sicher zu stellen. Ich fuhr dann im Auto, er mit dem Motorrad hinterher, dann haben wir das Motorrad in unserer Garage untergestellt. Als ich ihn dann zurückbringen wollte – er lag auf dem Rücksitz des Autos –, sind wir nicht mehr in das Heim gekommen, die Polizei ließ keinen mehr in das Haus. Daraufhin habe ich Viktor mit nach Hause genommen und ihn bei uns übernachten lassen.

Nolting: Irgendwann, Tage nach dieser Eskalation in Hoyerswerda hat die sächsische Landesregierung damals alle Ausländer aus Hoyerswerda evakuiert. Nun könnte man sehr verkürzt sagen: Der Mob hat also gesiegt, die Staatsmacht versagt. Wie empfanden Sie das damals?

Spill: Für mich persönlich war das ganz schlimm. Ich erfuhr dann auch, dass Mosambikaner nicht zum Zeitpunkt der Abreise zum Flughafen gefahren wurden, sondern bei Nacht und Nebel. Einmal war ich anwesend, morgens um vier Uhr, und manche sind heimlich abtransportiert worden.

Nolting: Sie haben aber noch Kontakt gehalten – ist das richtig?

Spill: Bis heute. Während der Randale haben einige Mosambikaner gesagt: “Mutti, Du kommst uns doch besuchen?” Das war aber nicht möglich, weil in Mozambique noch Krieg war. Dieser Krieg war am 4. Oktober 1992 zu Ende, und an Weihnachten war ich in Mozambique. Das war zuerst privat, zwei oder drei Mal, danach habe ich 1995 einen Verein gegründet und wir haben dann eine Schule für 900 Kinder gebaut. Seit Juni vergangenen Jahres haben wir ein Gesundheitszentrum, das 10.000 Menschen im Umkreis versorgen kann.

Nolting: Sie haben sich unglaublich engagiert, sind dafür auch ausgezeichnet worden. Hoyerswerda war aber damals so etwas wie ein Fanal – das muss man leider sagen. Es folgten andere schwere Ausschreitungen gegen Ausländer, wie Rostock, Lichtenhagen. Wenn Sie heute zurückblicken, würden Sie dann sagen, die Gesellschaft hat Lehren aus diesen schrecklichen Ereignissen damals gezogen?

Spill: Nein. Leider nicht. Das Gros der Menschen ist nach wie vor sehr ausländerfeindlich – ich merke das immer wieder in Gesprächen. Ich bin oftmals entsetzt auch bei Menschen in meinem Alter.

Quelle: Inforadio RBB (29.04.09)

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