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Flyeraktion gegen „Thor Steinar“ in Hoyerswerda

Und dabei Nazistress an allen Ecken

Ein Wortwechsel:

A – FlyerverteilerIn; B – PassantInnen

A: Hi, ihr habt doch bestimmt auch was gegen Nazis?
B: Mh, nö also nein…
A: Aber denkt ihr wirklich, dass uns Ausländer die Arbeit wegnehmen?
B: Naja eigentlich schon…
A: Na wie hoch ist denn der Ausländeranteil in Hoyerswerda?
B (genervt): Puh, was weiss ich den…fünfzig Prozent oder so…
A: Na gut, wünsch euch noch nen schönen Tag…

Am 25. und 27. September verteilten Mitglieder der „Initiative Zivilcourage“ und der „Antifaschistische Aktionsgruppe Hoyerswerda“ (AAG) Flugblätter vor dem Lausitz-Center Hoyerswerda, die den Verkauf der Neonazimarke „Thor Steinar“ in dem dort ansässigen Geschäft „Blue Dreams“ thematisierten. Die Ladenkette Blue Dreams betreibt weitere Geschäfte in Kamenz, Bautzen und Radeberg, nach einer Meldung der Sächsischen Zeitung wollte sich der Inhaber des „Blue Dreams“ im vergangenen Sommer für die NPD in den Kreistag wählen lassen.

Die Flugblätter wurden an allen vier Seiteneingängen verteilt, bis der Center-Wachmann die AntifaschistInnen einige Meter wegschickte, da die Wege vor der Einkaufsmeile noch auf dem Grundstück des Centers gelegen seien.

Wenig später gab es erste Drohungen seitens eines stadtbekannten Hoyerswerdaer Neonazis gegen die VerteilerInnen der Infoflyer. Im Laufe des Nachmittags sammelten sich immer mehr Nazis vor dem Eingang zum Lausitz-Center am Lausitzer Platz. Einer der anwesenden Neonazis entwendete einem der AntifaschistInnen Comics der Opferhilfeorganisation „Amal“, eine weitere Person schlug aus dem Lausitz-Center kommend, einem der Flyer-VerteilerInnen ohne Vorwarnung ins Gesicht. Umstehende PassantInnen waren erschrocken von der Brutalität der Nazis, eingreifen oder sie zur Rede stellen wollte niemand.

Nachdem die Polizei gerufen wurde, setzten die Mitglieder der „AAG“ und der „Initiative Zivilcourage“ ihre Aktion an einem anderen Eingang des Centers fort. Die Probleme mit den anwesenden Neonazis waren damit jedoch nicht gelöst, ihre Gruppe wuchs auf 20 bis 25 Personen an, rein vom Äußerlichen war dabei vom HipHopper bis zum Technofan alles vertreten.

Bis die Polizei das zweite Mal eintraf, diesmal mit zwei Wagen und mehr Personal, wurde von Seiten der Neonazis Jüdinnen und Juden die Schuld am Zweiten Weltkrieg zugeschoben und der Holocaust geleugnet. Entsprechende Anzeigen wurden gestellt. Die Verteilaktion wurde vom Anmelder für beendet erklärt, um einer Auseinandersetzung mit den Nazis und der Polizei aus dem Weg zu gehen.

Am nächsten Tag kursierte in der Stadt ein Flugblatt der selbsternannten „Bürgerinitiative Sicherheit“, welches sich vorallem durch seine zahlreichen Diffamierungen, Lügen und Fehlinformationen bezüglich der Flyerverteilung am Tag zuvor auszeichnete, auch Fotos von Beteiligten der Verteilaktion wurden darauf veröffentlicht.

Am darauf folgenden Samstag verteilten überwiegend BürgerInnen der „Initiative Zivilcourage“ die Flyer gegen den Verkauf von „Thor Steinar“ im „Blue Dreams“, dies lief ohne Störungen. Die „Nationalen Sozialisten“ aus Hoyerswerda waren wahrscheinlich wieder einmal damit beschäftigt ihre Videos mit rechten Sprühereien in menschenleeren Industriegebieten ins Internet zu stellen.

Die Reaktionen der Einwohner Hoyerswerda variierten in weiten Teilen zwischen Unwissenheit und Betroffenheit. Allerdings sympathisierten auch jedeR fünfte bis sechste der Angesprochenen mit Neonazis oder rechtem Gedankengut.

Wir wollen uns mit diesen Zuständen in Hoyerswerda und auch anderswo nicht abfinden!

Wir fordern die Kette „Blue Dreams“ auf, die Nazimarke „Thor Steinar“ aus ihrem Sortiment zu nehmen!

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Artikel zur Aktion in der „Lausitzer Rundschau“

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Der verteilte Flyer