Löbau: Antifademo nach Brandanschlägen

(Bericht von de.indymedia.org, Autor: Mensch; Fotos: afaAG-Hy)

L�¶bau Erster Block

Nach den Brandanschlägen von Neonazis auf zwei Imbisswagen in Löbau und Großschweidnitz (Ostsachsen) demonstrierten am Freitag Abend etwa 90 AntifaschistInnen durch die Löbauer Innenstadt. Der Autor dieses Berichtes nahm an den der Demo teil und gibt hier seine subjektiven Eindrücke wieder.

Was war geschehen?

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag (17. April) versuchten vier Löbauer Neonazis zwei Imbisswagen ausländischer Betreiber in Löbau und dem nahe gelegenen Großschweidnitz mit Brandsätzen zu zerstören. Die Täter sprühten zudem auf den Imbisswagen in Löbau die Parole „Kauft nur bei Deutschen“. Während der Döner-Imbiss in Großschweidnitz durch den Molotow-Cocktail erheblich beschädigt wurde, konnte der Brandsatz am Löbauer Asia-Imbiss durch einen Anwohner gelöscht werden, der das Geschehen in der Nacht zufällig beobachtet hatte. Die alarmierte Polizei konnte kurz darauf ein Auto mit den vier Männern im Alter von 19 und 20 Jahren anhalten und fand im Kofferraum Brandbeschleuniger, Farbspray, einen Baseballschläger sowie einen Ehrendolch der Waffen-SS. Die Männer wurden unter dringendem Tatverdacht vorläufig festgenommen. Drei der vier zum Teil einschlägig bekannten Löbauer Neonazis sitzen seitdem in U-Haft.

Talking is over…

Nachdem der Vorfall am Donnerstag bekannt wurde, entschlossen sich regionale AntifaschistInnen zu einer kurzfristig angesetzten Demo in Löbau, um ihrer Empörung über die Anschläge Ausdruck zu verleihen und öffentlich Solidarität mit den betroffenen Imbiss-BetreiberInnen zu demonstrierten. Innerhalb eines Tages konnten dafür immerhin knapp 100 Menschen mobilisiert werden. Die Polizei war mit einem mittleren Aufgebot present und verzichtete auf Vorkontrollen. Nachdem auch die per Zug Angereisten am Startpunkt eingetroffen waren, formierte sich ein kleiner Antifablock und zog begleitet von teilweise lautstarken Parolen durch die Löbauer Altstadt. Als die Demo gerade am Marktplatz ankam, kam es zum ersten kleinen Zwischenfall. Ein einzelner Neonazi lief in 20 Metern Entfernung an der Demospitze vorbei und zeigte in dumm-dreister Manier unverblühmt den Hitler-Gruß. Als Antifas dazu ansetzten, dem Nazi die verdiente Abreibung zu verpassen, wurden sie von den plötzlich sehr regen aber unbehelmten Polizeibeamten physisch daran gehindert. Der Nazi wurde kurz darauf von der Polizei zur Seite geführt und dort seine Personalien aufgenommen. Nach kurzer Pause ging es weiter zum Nikolaimarkt. Auf dem Weg dorthin filmten zwei weitere Neonazis die Demo mit einer Kamera von der Seite ab. Als die Polizei keine Anstalten machte dies zu unterbinden, schwenkte die Demo kurzerhand direkt auf die beiden Männer zu. Wenige Meter davor warfen sich erneut eifrige Beamte dazwischen und führten die beiden Kamera-Nazis nach hinten weg. Auf dem Nikolaimarkt angekommen, wurde eine Zwischenkundgebung direkt neben dem angegriffenen Asia-Imbiss abgehalten. In kurzen Redebeiträgen wurde auf den Zusammenhang zwischen den Brandanschlägen durch Neonazis und der latenten völkisch-rassitischen Grundstimmung in Teilen der Bevölkerung hingewiesen. Noch immer war der eigentlich schon entfernte Schriftzug am Imbisswagen zu lesen – „Kauft nur bei Deutschen“. Während der Zwischenkundgebung wurden in der Demo Spenden zur Abmilderung der Sachschäden gesammelt. Kurze Zeit später versuchten die beiden Kamera-Nazis erneut von der anderen Straßenseite zu filmen, wurden diesmal jedoch gleich von der Polizei abgedrängt. Während der ganzen Zeit wurden lautstark antifaschitische und antirassistische Parolen skandiert und Antifafahnen geschwenkt. Jugendliche auf BMX-Rädern begleiteten die Demo, Löbauer Bürger lugten hinter Gardienen hervor und einige Passanten zückten ihre Foto-Handys, um die Demo abzulichten. Offizielle VertreterInnen der Stadt Löbau wurden bei der Solidaritätsaktion nicht gesichtet. Weitere Störungen durch Neonazis blieben weitgehend aus. Kurzzeitig stresste die Polizei noch, als sie versuchte die Demo auf den Fußweg abzudrängen. Offensichtlich sollte so verhindert werden, dass Demonstranten Steine an einer nahen Baustellen aufnehmen konnten. Nach kurzen Verhandlungen mit dem Einsatzleiter konnte die Demo letztendlich ihren Weg auf der fast schon menschenleeren Straße zum Ort der Abschlusskundgebung nehmen. Nach zwei kurzen Redebeiträgen (Antifa und Gewerkschaft) wurde die Demo für beendet erklärt und aufgelöst.

Was tun? Was tun!

Zusammengefasst kann mensch festhalten, dass es richtig und wichtig war, auf die neofaschistischen Brandanschläge in dieser From zu reagieren. Gerade in der sächsischen Provinz ist antifaschistischen Engagement dringend notwendig. Die Gründe dafür müssen an dieser Stelle sicher nicht ausgeführt werden. Doch Antifa-Demos allein können die reaktionär-völkischen Verhältnisse in den Provinzen sicher nicht grundlegend verändern. Unsere stärkste Waffe ist und bleibt die praktische Solidarität mit allen Betroffenen rassistischer Ausgrenzung und Gewalt. Ein dickes Dankeschön an alle, die da waren!

Loebau Imbiss
Kundgebung an einem der angegriffenen Imbisswagen, an dem noch die Reste der Nazischmiererei „Kauft nur bei Deutschen“ zu erkennen sind.

Antifa Block Altstadt
Die Antifa unterwegs in der Löbauer Altstadt.