Partypeople statt Nazibanden

In Hoyerswerda fand am 18. Mai nach massiven Repressionen im Zuge einer Sitzblockade im September 2006 und zahlreichen Naziübergriffen in den vergangenen Wochen eine Anti-Repressions Soli-Party statt. Zuvor hielt das Anti-G8 Infoteam Ostsachsen einen Vortrag anlässlich des bevorstehenden G8-Gipfels in Heiligendamm. Im Laufe des Abends besuchten insgesamt etwa 150 Menschen die Veranstaltung.

Die vergangenen Wochen waren für alternative Jugendliche in Hoyerswerda vor allem geprägt von ständig neuen Zwischenfällen im Zusammenhang mit Naziübergriffen. Mitte April überfielen rund 30-40 rechtsgerichtete Jugendliche eine Gruppe alternativer junger Menschen auf einem Schulgelände. Am 8. Mai störten Neonazis einen Infostand eines zivilgesellschaftlichen Bündnisses gegen Rechtsextremismus – aufgrund zunehmender Angst vor Übergriffen meiden einige Jugendliche inzwischen Orte wie die lokale Einkaufsmeile „Lausitz Center“ komplett.

Zivilgesellschaftlicher Protest, der sich gegen diese unzumutbaren Zustände in Hoyerswerda und Umgebung richtet, wird seitens der Polizei und der Stadtverwaltung kriminalisiert und in ein schlechtes Licht gerückt. Den bisher traurigen Höhepunkt dieser Vorgehensweise bildete die gewaltsame Auflösung eine friedlichen Sitzblockade gegen eine Nazidemonstration im September 2006, bei der einige Beteiligte zu Strafgeldern verurteil werden, die sich insgesamt im vierstelligem Bereich halten (mehr Infos: aaghoyerswerda.blogsport.de).

Ziel der Party war es deshalb einerseits Geld für die Betroffenen der in unseren Augen völlig überzogenen Polizeiaktion gegen zivilgesellschaftliches Engagement zu sammeln und andererseits den für alternative junge Menschen erdrückenden Zuständen etwas entgegen zusetzen und neue Freiräume zu schaffen.

Der bereits erwähnte „Was gEight uns das an?“-Vortrag des Infosteams-Ostsachsens wurde von über 80 Personen besucht. Zur anschließenden drum and bass Fete unter dem Motto „Kotzen Koksen Kommunismus“ kamen insgesamt etwa 150 junge Menschen, die entspannt in einer Nazi- und Prollfreien Athmosphäre feiern konnten, wie es in Provinzstädten wie Hoyerswerda sonst nur im privaten Rahmen möglich ist.

Die „alternative“ Partyszene in Hoyerswerda wird vom IndyPopRock orientierten „Populario e.V.“ dominiert, den OrganisatorInnen des mittlerweile deutschlandweit bekannten „Populario-Festivals“. Doch auch wenn sich der Verein ein vermeintlich subkulturell-alternatives Image aufgebaut hat – auch auf Populario Partys steht ein kommerzielles Interesse im Vordergrund, können Getränke nur zu überteuerten Preisen erworben werden, was einem Ausschluss von Menschen, welche nicht über diese finanzielle Mittel verfügen, gleichkommt. Inoffizielle Dresscodes um „dazuzugehören“ und nicht schief angesehen zu werden, gehören genauso dazu, wie Türsteher mit teilweise rechtsextremen Background und offensivem Auftreten.

Am 18. Mai dagegen musste niemand Anmachen oder schiefe Blicke für Aussehen und Frisur befürchten, denn Nazis und Macker waren bei Vortrag und Party natürlich nicht willkommen. Über die Einnahmen der Feier, eines aufgestellten Infotisches, vorangegangenen Infoständen und Privatspenden können den von Repressionen Betroffenen nun über 600 Euro zurückerstattet werden.

Wir danken deshalb dem Anti-G8 Infoteam Ostsachsen (Kontakt: was-geight@freenet.de), dem Sicherheitspersonal, der Technik, unseren DJs, den sonstigen Beteiligten und allen Anwesenden für ihre tolle Unterstützung, das zahlreiche Kommen und die großartige Stimmung. Es wird sicher nicht die letzte Veranstaltung gewesen sein.