Rechtsmotivierte Übergriffe auf Jugendliche in Hoyerswerda

Am Wochenende des 13./14.04.2007 kam es im gesamten Stadtgebiet von Hoyerswerda zu zahlreichen rechtsmotivierten Übergriffen auf alternative und nichtrechte Jugendliche. Bereits am Freitagnachmittag (13.04.) wurde ein Jugendlicher in der Neustadt zuerst von einem Neonazi beschimpft und anschließend getreten. Um ca. 18.30 Uhr kam es zu einem weiteren Angriff auf einen alternativen Jugendlichen am Nettomarkt im WK II. Ihm wurde von einem Rechtsextremisten ins Gesicht geschlagen. Eine Polizeistreife, die sich ebenfalls in Sichtweite befand, unternahm nichts.

Am Jugendclub „Ossi“ auf der Liselotte- Hermannstr. in der Neustadt fand am selben Abend ein Konzert statt, welches von der RAA organisiert worden war. Als nach Konzertende einige der Besucher den Club in Richtung des Jugendclubs „Dock28“ (ebenfalls Lieselotte- Hermanstr.) verließen, wurden sie von eine Gruppe anderer Konzertbesucher, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, bedroht und verfolgt.

Gegen 22.30 Uhr ereignete sich auf dem Schulgelände des Foucault-Gymnasiums in Hoyerswerda schließlich einer der schwersten Übergriffe der letzten Monate. 30-40 zumeist junge Anhänger der rechten Szene und deren SympathisantInnen (unter anderem einige Jugendliche aus der „Hip- Hop“- Szene) griffen etwa 15 alternative Jugendliche an, die sich auf dem Schulhof getroffen hatten. Unter Flaschenwürfen und Ausrufen wie „Lauf um dein Leben“ oder „Jetzt gibt’s Punkerklatschen“ wurden mehrere Personen durch Tritte und Schläge ins Gesicht verletzt.

Nachdem die Jugendlichen vom Gelände flüchten konnten, bewegten sich die Angreifer, die zum Teil von Außerhalb kamen (es konnten mehrere Autos mit Cottbusser Kennzeichen identifiziert werden) und von denen einige mit Schlaggegeständen bewaffnet waren, in Richtung „Gondelteich“ weiter. Dort wurden zwei weitere Gruppen nicht- rechter Jugendlicher von ihnen angegriffen. Mindestens eine Person wurde durch Schläge ins Gesicht verletzt. Des Weiteren entwendeten sie mehrere Rucksäcke und Fahrräder. Alle Täter konnten fliehen, bevor die Polizei eintraf. Anzeigen wegen Körperverletzung und Raubes wurden gestellt, einige der Angreifer identifiziert.

Auch am darauf folgenden Samstag dem 14.04.07 spielten sich beunruhigende Szenen ab. In den Abendstunden wurde eine Gruppe von 15 Personen am Polizeirevier in der Altstadt beobachtet, die mehrfach lautstark „Sieg Heil“ skandierten. Die Jugendlichen waren im Stil der Hip-Hop Szene gekleidet. Im weiteren Verlauf des Abends sammelten sich in der Innenstand mehrere Neonazi-Gruppen. Auch am „Zoo“ in der Altstadt wurden etwa 15-20 Personen, u.a. Anhänger der rechten Szene, gesehen, die mehrfach vorbeikommende Jugendliche anpöbelten und bedrohten.

Dass Gewalt gegen nicht- rechte und alternative Menschen auch in Hoyerswerda stattfindet ist nichts Neues. Sie steht an der Tagesordnung und wird in der hiesigen Öffentlichkeit meist in erschreckender Art und Weise ignoriert und/oder bagatellisiert. Die Häufigkeit und Brutalität gezielter Übergriffe und das offene Auftreten zumeist recht junger Neonazis innerhalb der Stadt sind jedoch in den letzten Wochen besorgniserregend angestiegen. Auf diese Weise wird ein Klima der Angst erzeugt, in dem sich Menschen, welche nicht in das starre Weltbild der Neonazis und deren Sympathisantinnen passen, nicht mehr sicher fühlen können. Verstärkt wird dies durch Untätigkeit von Polizei, Stadt, Schulen usw. im Umgang mit Rechtsextremen.

Wir fordern die Polizei auf in Zukunft nicht mehr nur ab zu warten, wenn Angriffe durch rechte Jugendliche zu erwarten sind, beobachtet werden oder um Hilfe und Schutz gebeten wird. Schulen sollten in Zukunft keine falsche Toleranz mehr gegenüber SchülerInnen zeigen, die z.B. mit ihrer Kleidung demonstrative rechts auftreten und keinen Hehl aus ihrer Gesinnung machen. Es darf nicht länger ignoriert werden, dass auch Hoyerswerda ein Problem mit Neonazis und rechter Gewalt hat.