1993

19.02.93

Unter dem Ruf „Schlagt die Zecken tot!“ stürmen etwa 20 Neonaziskinheads aus Hoyerswerda und Umgebung die Diskothek „Nachtasyl“ in Hoyerswerda. Mehrere Personen werden schwer verletzt. Mike Zerna, der Fahrer der aufgetretenen Metalband „Necromanths“ wird vor der Disco niedergestreckt. Ein Transporter wird auf ihn gekippt. Notarzt und Polizei treffen erst eine knappe Stunde später ein. Eingegangene Notrufe wurden vom zuständigen Beamten zuvor ignoriert. Mike Zerna kommt nicht wieder zu Bewusstsein. Er stirbt sechs Tage später im Krankenhaus. Er wurde 22 Jahre alt.

In den Jahren danach organisierten sich die Neonazis weiter und festigten ihre Strukturen. So wurde bspw. ein rechtsextremer Klamotten-Versand namens „Wolf Wear“, in Hoyerswerda betrieben.
1992 und 1993 werden mehrere Brandsätze in den türkischen Schnellimbiss „Merhaba“ geworfen, der zwei mal völlig ausbrennt.
Quelle: Jungle World Artikel, September 1997
In den Monaten nach den Pogromen auf die Wohnheime in Hoyerswerda eskaliert die Gewalt von Neonazis gegen Linke und Andersdenkende, die zunächst noch wehrhaften Widerstand leisten können. Ziele rechtsextremer Gewalt sind der linke Jugendclub »Laden«, das Umweltzentrum, das besetzte “Faxenhaus“ und die Grünen. Nazis treten in schwarzem Kampfanzug oder im Tarnanzug und u.a. mit Gummiknüppeln bei ihren Angriffen auf. Die Bewohner des „Faxenhauses“ leben in ständiger Angst vor Überfällen auch tagsüber, bis jegliche Gruppenstruktur zerfällt. Sowohl „Laden“ als auch „Faxenhaus“ werden von den eigenen Betreiber_innen und Bewohner_innen nach zwei Jahren Neonaziterror geschlossen. Aktivist_innen verlassen die Stadt. Nachfolgeprojekt ist neben dem später gegründeten alternativen Jugendclub „Dock 28“ die „Kulturfabrik“. Ihre Betreiber_innen sind jedoch auf kulturelle Arbeit und nicht mehr auf politische Aktivitäten konzentriert.
Quelle: Interview mit Zeitzeugen, junge Welt, 2001