Redebeitrag aus Ostsachsen in Gedenken an die Opfer von rechter Gewalt anlässlich der Demo „Hoyerswerda-15 Jahre später“

Wenn wir heute der Pogrome von Hoyerswerda im Jahre 1991 gedenken, gedenken wir auch den vielen weit über Hundert Menschen, welche seither durch Neonazis in Deutschland ermordet wurden.
Diese Menschen starben nicht irgendwo, fernab von uns. Sondern sie wurden mitten aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen, hinterließen Familie, Freundinnen und Freunde, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter.

Wir denken gerade heute und hier an Waltraud Scheffler.
Sie starb am 24.Oktober 1992 an den Folgen eines Überfalls von Neonazis auf ein Lokal in Geierswalde-12 km von Hoyerswerda entfernt. Als die 44jährige Aushilfskellnerin versuchte auf die Neonazis, die mit „Sieg Heil“- Rufen in das Lokal drangen einzureden, wurde sie mit einer Holzlatte auf den Kopf geschlagen. 13 Tage später verstarb sie an ihren schweren Verletzungen.

Wir denken an Mike Zerna.
Unter dem Ruf „Schlagt die Zecken tot!“ stürmten am 19. Februar 1993 etwa 20 Neonaziskinheads aus Hoyerswerda und Umgebung die Diskothek „Nachtasyl“ in Hoyerswerda. Mehrere Personen wurden schwer verletzt. Mike Zerna, der Fahrer der aufgetretenen Metalband Necromanths wurde vor der Disco niedergestreckt und ein Transporter auf ihn gekippt.
Erst eine knappe Stunde später treffen der Notarzt und die Polizei ein. Eingegangene Notrufe wurden vom zuständigen Beamten zuvor ignoriert.
Ohne nochmal das Bewusstsein erlangt zu haben, stirbt Mike Zerna 6 Tage später im Krankenhaus. Er wurde 22 Jahre alt.

Wir denken an Bernd Schmidt aus Weißwasser.
Drei Jugendliche Neonazis quälten und prügelten den Obdachlosen über drei Tage lang in einer Abrissbaracke zu Tode. im Gericht sagte einer der Täter, Leute wie Schmidt seien „menschlicher Schrott“.
Der 52 jährige Glasdesigner starb an seinen schweren Kopfverletzungen am 31. Januar 2000.

Wir denken an Michael Gäbler aus Zittau.
In einem alternativen Jugendklub war es bei einer Party zu verbalen Auseinandersetzungen mit einem Neonazi gekommen. Im Anschluss diskutierte Michael Gäbler mit dem Neonazi in einiger Entfernung zum Klub. Als sich Micha zum gehen wandte, stach der bekennende Neonazi von hinten mehrmals auf ihn ein. Unser Genosse starb am 19. November 1993 an seinen Verletzungen.

Sie alle starben, weil Neonazis ihrem Hass freien Lauf ließen, weil sie das umsetzten was in weiten Teilen der so genannten bürgerlichen Mitte Konsens war und ist, weil sie meinten diese Menschen seien nicht wert zu leben, weil sie „linke Zecken“, „obdachlose Schmarotzer“ oder gegen Nazis Couragierte waren.

Wir können nicht mehr tun, als an sie zu gedenken. Den Kampf um eine Gesellschaft frei von Unterdrückung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit weiterzuführen.
Wir werden die Toten nicht vergessen.
Micha dein Kampf ist heute noch unser Kampf. Mit dir gemeinsam erlebten wir die schweren aber auch glücklichen Zeiten Anfang der 90er, als wir um unsere Freiräume in Ostsachsen stritten.
Die Flamme, die in unseren Herzen glühte tragen wir nun weiter.
Sie wird nicht erlöschen. Versprochen!

Antifas aus Ostsachsen