Appell der Flüchtlinge aus Hoyerswerda (Oktober 1991)

Interim Nr. 165 vom 17. Oktober 1991

Wir entschuldigen uns dafür, euch BerlinerInnen im Besonderen und die Deutschen im Allgemeinen, mit einer Anfrage, die wir Euch unterbreiten, zu belästigen. Einerseits scheint es wie eine Belästigung, andererseits ist es berechtigt und unbedingt notwendig, Euch diese Anfrage bedenken zu lassen. Wir sind die Flüchtlinge aus Hoyerswerda, die während unseres Aufenthaltes dort sehr schlecht von der Bevölkerung behandelt wurden und schließlich von sogenannten Skinheads gewalttätig aus unserem Flüchtlingsheim gejagt wurden – grundlos, wie diese sehr wohl wussten.

Wir mussten Schutz finden. Es gab keinen anderen Platz zur Flucht als Berlin, wo unsere momentane Sicherheit durch die große Hilfe einer Kirchengemeinde und die beständige Arbeit autonomer Gruppen gewährleistet ist.

In dieser Situation ist unser einziger Appell an den Berliner Innensenat, dass der Innensenator Verständnis für unsere Umstände aufbringe und uns als Flüchtlinge in seinem Verantwortungsbereich aufnehme.

Noch stärker ist unser einziger Appell an die Öffentlichkeit, uns als Menschen zu sehen, die ihre Heimatländer verlassen mussten, um für uns gefahrvolle Situationen zu vermeiden, und uns deshalb etwas Gastfreundschaft und Herzlichkeit entgegenzubringen.

Wir freuen uns über jede Art der Unterstützung.

Es ist unsere tiefe Hoffnung, dass dieser Appell auf offene Ohren stoßen wird, Wir vertrauen auf eure Kooperation und Herzlichkeit.

Danke,

Die Flüchtlinge aus Hoyerswerda