Archiv für März 2007

2006

01.01.06

Aufgrund einer Auseinandersetzung zwischen Gästen des Dock28 und einem Neonazi, der den Club in der Silvesternacht besuchte und provozierte, suchen etwa fünf Neonazis den Club in den frühen Abendstunden auf und bedrohen die Anwesenden, die Telefonnummer eines Gastes herauszugeben. Es wird Inventar beschädigt und mindestens zwei Leute werden ins Gesicht geschlagen. Das Kind eines anwesenden Gastes, welches auch körperlichen Angriffen ausgesetzt ist, wird Zeuge dieser Taten.
Eigenrecherche

14.01.06

In Kamenz wird der NPD Kreisverband Kamenz / Hoyerswerda gegründet. Geleitet wurde die Sitzung vom Geschäftsführer der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen Uwe Leichsenring. Zum Kreisvorsitzenden ist der selbstständige Handwerksmeister Mario Ertel (42, Kamenz) gewählt worden. Sein Stellvertreter ist der 20jährige Nazischläger Robert Engler aus Hoyerswerda. Kreisschatzmeister ist Mathias Rochow (28, Kamenz). Beisitzer_innen Evelyn Tietze (30, Kamenz) und Ingo Marschke (41, Kamenz).
Eigenrecherche

14.01.2006
Täter aus der rechten Szene beschmieren im Stadtgebiet von Hoyerswerda mehrere Gebäude mit Hakenkreuzen und SS-Runen und kleben zudem NPD/JN-Aufkleber an die Außenfassaden. Betroffen sind mindestens neun Döner- und Asiaimbisse und -läden und eine Mittelschule. Die Polizei ermittelt drei Tatverdächtige (16, 23 und 40 Jahre alt) und findet bei Hausdurchsuchungen rechtsextremes Propagandamaterial.
Quelle: SäZ Online, AMAL Sachsen

17.01.06-Senftenberg bei Hoyerswerda

Razzia bei den Bandmitgliedern der Naziband „Confident of Victory“. Die Band hatte bei einem Konzert am 19.03.05 in Mannheim volksverhetzende Titel gespielt und das Publikum zum Zeigen des Hitlergrußes animiert.
Quelle: Internetwache Brandenburg

13.02.06

Bei Nazitrauermarsch in Dresden ist das LAB mit eigenem Transparent vertreten.
Eigenrecherche

06.03.06

Unter der Leitung von Robert Engler wird ein JN- Stützpunkt in Hoyerswerda gegründet.
Er besteht zurzeit aus sieben Personen, zwei davon weiblich.
Quelle: Eigenrecherche, Sächsisches Innenministerium, AMAL Sachsen

März 06

Nach dem Unbekannte einen Naziclub in einer Gartensparte in Hoyerswerda mit Parolen besprüht haben, bedrohen etwa fünf Neonazis einen 15-jährigen Punker vor dem Jugendclub Dock28 und notieren sich seine Personalien. Aus Angst vor weiteren Übergriffen auf Unbeteiligte streichen Jugendliche aus dem Umfeld des Dock 28, die mit dem Vorfall nichts zu tun haben, den Club neu an.
Quelle: Eigenrecherche, AMAL Sachsen

30.03.2006
Der NPD-Kreisverband Kamenz führt eine Mahnwache „Gegen Gesinnungsparagraphen – für Meinungsfreiheit“ durch, die sich gegen das Verbot einer revisionistischen Demonstration am 8. April in Bautzen richtet.
Quelle: Sächsisches Innenministerium, AMAL-Sachsen

02.04.06

Einige Nazis aus dem Umfeld der JN-Hoyerswerda veranstalten eine Mahnwache und verteilen Flugblätter am Lausitzer Platz. Thema ist das Verbot des Naziaufmarsches in Bautzen am 8.April.
Quelle: Eigenrecherche, AMAL

08.04.06

Nach einem Verbot der Demonstration des LAB in Bautzen, in der die Nazis die Freilassung von Holocaustleugner Ernst Zündel fordern wollten, treffen sich um 10Uhr vormittags über 100 Nazis am Neustädter Bahnhof in Hoyerswerda. Nachdem die Polizei die Veranstaltung auflösen will, bewegen sich mehrere große Nazigruppen ohne Polizeischutz Richtung Innenstadt. Die völlig überforderte Polizei muss die ca. 150-250 Nazis gegen Mittag, trotz der fehlenden Genehmigung, marschieren lassen, um die öffentliche Sicherheit zu waren. Sie waren in Hoyerswerda mit 200 Einsatzkräften vertreten.
In Bautzen versuchen mehrere dutzend Nazis in verschiedenen Gruppen den ganzen Tag über eine bürgerliche Gegenveranstaltung zu stören. Mehrmals muss die Polizei eingreifen, die an diesem Tag 40 Platzverweise ausspricht. Die Situation beruhigte sich auch gegen Abend kaum, da immer wieder Nazis versuchen, zur Bürgerveranstaltung zu gelangen.
Indymediabericht der Antifa Vernetzung Ostsachsen

25./26.04.06 (?)

In Hoyerswerda werden am Nachmittag zwei nicht rechte Jugendliche von zwei älteren Jugendlichen aus der HipHop- Szene erst mit neonarzisstischen Sprüchen beleidigt. Später wird einem der beiden Jugendlichen mehrfach ins Gesicht geschlagen.
Eigenrecherche

01.05.06

Von einem Aufmarsch in Bautzen und Niesky kommend, formieren sich ca. 120 Rechtsextreme zu einer nicht angemeldeten Demonstration. Sie entrollen Transparente, skandieren rechte Parolen und stören eine PDS – Veranstaltung auf dem Lausitzplatz. Ihre geplanten Demonstrationsversuche in Bautzen und Niesky diesen Orten konnten teilweise durch die Polizei be- und verhindert werden. Trotz Warnung der Organisatoren der PDS – Veranstaltung vor rechten Störern im Vorfeld, reagierte die Polizei spät und konnte/wollte den Naziaufmarsch nicht be- oder verhindern. Von 115 Personen wurden die Personalien aufgenommen.
Quelle: SäZ, AMAL-Sachsen

Zur Fußball-WM (Quellen: LR, SäZ, Eigenrecherche):

09.06.06, WM Fußballspiel Deutschland – Costa Rica

Etwa 20-30 Personen (vorwiegend HipHopper, Prolls und einige Neonazis) zünden Rauchbomben und randalieren auf dem Lausitzer Platz. Als die ersten Streifenwagen eintreffen, werden die Polizist_innen bepöbelt und nach einer versuchten Festnahme, körperlich angegriffen.

WM Fußballspiele am 14.06 Deutschland – Polen, 20.06 Deutschland – Ecuador, 24.06 Deutschland – Schweden

Wiederholt gibt es Randale auf dem Lausitzer Platz, an denen jeweils bis ca. 50 Personen beteiligt sind.

30.07.06, WM Fußballspiel Deutschland – Argentinien

Das erste Mal wird ein großes Polizeiaufgebot aus Leipzig eingesetzt (Videokameras, behelmte Einsatzkräfte etc.)
Nach dem Spiel provozieren wieder einige Hools, Nazis und Prolls die Polizei, welche daraufhin anfängt heftig in die Menge zu stürmen und Personen fest zu halten. Dabei werden zahlreiche „Unbeteiligte“, auch Minderjährige umgerannt und geschlagen.
Anschließend eskaliert die Situation und ca. 100 Leute greifen die Polizist_innen mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern an. Erst nach zwei Stunden beruhigt sich die Lage wieder. Es werden zahlreiche Schaufensterscheiben eingeschlagen etc., in Gewahrsamnahmen werden vollzogen.

04.07.06, WM Fußballspiel Deutschland – Italien

Etwa 30 Personen, größtenteils Neonazis (auch aus Berlin) greifen Polizist_innen nach dem Spiel mit Flaschen und Feuerwerkskörpern an. Es gibt mehrere in Gewahrsamnahmen. Es werden unter anderem Parolen wie „SS, SA, Germania“ gerufen und Müllbehälter angezündet.
(während der gesamten Fußball WM wurden die Randale in Hoyerswerda von der Lokalpresse (vor allem Sächsische Zeitung) totgeschwiegen und verharmlost. Es gibt in der SZ keinen inhaltlichen Bericht, nur ein paar Kommentare, die jeden Bezug zu dem was passiert ist und wer beteiligt war, vermissen lassen).

08.07.06

Ein Aufmarsch der JN gegen „Polizeigewalt und staatliche Repression“ zieht durch Hoyerswerda, die JN-AktivistInnen sind kostümiert und mit Eselsmasken bekleidet vorallem auf dem Lausitzer Platz präsent. Die Veranstaltung bildet den Höhepunkt einer Aktionswoche örtlicher Neonazis, welche im gleichen Zeitraum auch Verteilaktionen in Zittau und Cottbus durchführen.
Quelle: Eigenrecherche, SäZ

09.07.2006
Drei Rechte schlagen im Eingangsbereich eines Jugendclubs mit den Worten „Scheiß-Kiffer“ auf einen jungen Mann ein, der sich daraufhin in ärztliche Behandlung begeben muß.
Quelle: AMAL-Sachsen

14.07.06

Bombendrohung gegen das Dock28.
Eigenrecherche

20.08.2006

Auf einem Schulhof eines christlichen Gymnasiums legen Unbekannte aus Holz gefertigte, ca.1,80 Meter große SS-Runen vor einem Kruzifix ab.
Quelle: Polizei Sachsen, AMAL-Sachsen

06.09.06

Im Rahmen des 15ten Jahrestages der tagelangen Übergriffe auf die Asylbewerberheime in Hoyerswerda im September 1991 erscheinen mehrere fragwürdige Artikel in der lokalen Presse. Die damaligen Ereignisse werden heruntergespielt und relativiert. Die Redaktionslinie der Sächsischen Zeitung folgt Oberbürgermeister Horst- Dieter- Brähmig (PDS), der wie in den vorherigen Jahren das Image des geläuterten Hoyerswerdas präsentiert. Auf einer Pressekonferenz sagt er: „Die Erinnerung an diese 15 Jahre behalten wir Hoyerswerdaer uns selbst vor“.
Quelle: SäZ, LR

23.09.06

Am Jahrestag der pogromartigen Ausschreitungen auf die Asylbewerberheime in Hoyerswerda findet auf dem „Lausitzplatz“ eine „Gedenkkundgebung“ statt, an der sich ca. 15 (!) Menschen beteiligen. Aus diesem Anlass wird eine Gedenkstehle aufgestellt, auf welcher die tagelangen Übergriffe auf MigrantInnen durch hunderte Neonazis und BürgerInnen in jenen Tagen, relativierend, als „extremistische Ausschreitungen“, betitelt werden.
Quelle: SäZ

30.09.06

Rund 200 Neonazis ziehen unter dem Motto „Stoppt die Propaganda der selbsternannten Demokraten! Für das Selbstbestimmungsrecht unseres Volkes!“ durch Hoyerswerda. Sie rufen Parolen wie „nationaler Sozialismus, Jetzt!“ und singen mehrfach das Hitlerjugendlied „Ein junges Volk steht auf!“, welches sie im Vorfeld auch zum Download im Internet bereitstellten. In ihrem Demonstrationsaufruf leugnen sie die rassistischen Ausschreitungen in Hoyerswerda und bezeichnen die Übergriffe als „kleinen Volksaufstand“. Dennoch bleibt die Demonstration erlaubt, die Stadt Hoyerswerda segnet die Plakate der Neonazidemo mit dem Stempel des Ordnungsamtes ab. Sie werden eine Woche vorher aufgehängt, unter anderem an der Route einer antirassistischen Demonstration zum Gedenken an die rassistischen Übergriffe von 1991.
Eigenrecherche

07.11.06

In Bernsdorf verüben ein 24-jähriger Mann und seine gleichaltrige Freundin einen Brandanschlag auf einen Asia- Imbiss an der Hoyerswerdaer Strasse. Ihr Tatmotiv war Rache an „Ausländern“, da im Jahre 2000 ein 21jähriger Neonazi von einem Jugendlichen asiatischer Herkunft bei einer Auseinandersetzung in Bernsdorf ums Leben kam, den sie offenbar kannten.
Quelle SäZ

17.11.06

Mit der Begründung einer „kritischen Auseinandersetzung“ mit rechtsextremistischen Entwicklungen in der Region, wird im Tageblatt der sächsischen Zeitung ein Interview mit dem Neonazikader Sebastian Richter (führende Figur innerhalb der JN und des LAB’s) abgedruckt. Unter der Überschrift „Näher an der PDS, als an der CDU“ bekommt er die Möglichkeit, die Titelseite kommentarlos als Plattform für seine Nazipropaganda nutzen zu können. Tage später werden auf zwei Themenseiten kritische Stellungnahmen von Lesern zum Interview veröffentlicht. Eine klare Stellungnahme der Zeitung, Neonazis in Zukunft keine Plattform für ihre Propaganda mehr zu bieten und sich ernsthaft und wirklich „kritisch“ mit diesem Thema zu beschäftigen, gibt es nicht.

18./19.11.06

Im Gebiet der Hoyerswerdaer Altstadt werden anlässlich des Volkstrauertages über 70 Holzkreuze von Neonazis aufgestellt. Unter anderem wird dem Rassisten und Antisemiten Rudolf von Sobottendorf gedacht, einem NSDAP- Funktionär der 1939 das Hetzblatt „völkischer Beobachter“ herausgab.
Quelle: SäZ

Nacht vom 15./16. Dezember 2006

Neonazis suchen den alternativen Jugendclub Dock28 auf. Als sie auf Bitten einiger Besucher_innen den Club zu verlassen nicht eingehen, kommt es zu einer Rangelei. Die gerufene Polizei entfernt die Rechtsextremen schließlich aus dem Jugendclub.
Eigenrecherche

Dezember 06

Bei einem Angriff von Unbekannten auf den alternativen Jugendclub Dock 28 entstehen erhebliche Schäden. Unter anderem wird die Außenbeleuchtung zertrümmert, Betonplatten ausgerissen und gegen die Außenwand des Clubs geworfen.
Eigenrecherche

29.12.06
Eine 17jährige Jugendliche wird am Netto- Markt im WK II (Hoyerswerda) auf Grund ihrer Hautfarbe angepöbelt, bespuckt und mit Silvesterknallern beworfen.
Eigenrecherche